Podiumsdiskussion mit Hans-Jürgen Maurus

Veröffentlicht am 12.01.2009 in Pressemitteilungen

Finanzsysteme und Globalisierung auf dem Prüfstand
Beim Thema „Finanzkrise“ muss sich ein Referent auskennen. Schon die Begriffsvielfalt der Finanzinstrumente, die die Krise ausgelöst haben, erfordern beachtliches Fachwissen.

Hans-Jürgen Maurus, Korrespondent des SWR im ARD-Hauptstadtstudio beschäftigt sich schon seit Jahren mit Wirtschaft und Finanzen und bezeichnet sich deshalb folgerichtig als Finanzkorrespondent. Eingeladen zur Podiumsdiskussion hatte die Friedrich Ebert-Stiftung zusammen mit dem Netzwerk des Mannheimer Kreises in den Konferenzraum der Sparkasse-Neckartal-Odenwald. Jürgen Graner, stellv. Vorsitzender des Mannheimer Kreises, räumte dabei ein, dass es gelungen sei Maurus wegen seiner verwandtschaftlichen Beziehungen nach Mosbach zu locken. Und so konnte Elmar Haug von der Friedrich Ebert-Stiftung viele Interessierte begrüßen. Zudem brennt das Thema anscheinend vielen unter den Nägeln. Neben dem hochkarätigen Referenten standen in der Diskussion weitere kompetente Experten Rede und Antwort: Gerhard Stock, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neckartal-Odenwald, Dr. Nils Schmid, (MdL) finanzpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und zugleich Mitglied des Verwaltungsrats der Landesbank Baden-Württemberg, Prof. Gert Weisskirchen, (MdB) außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion sowie der Moderator Georg Nelius (MdL). Davor beschrieb Maurus die Grundzüge der Finanzkrise und deren Folgen. Das Thema ist komplex. Maurus vermittelte zuerst Fakten, die zur Implosion des Finanzsystems führten. Darunter fallen die Deregulierung der Finanzmärkte in den Achtzigern ebenso wie die Gier nach Renditen, die Kredit- und Schuldenexplosion und menschliche Inkompetenz und Versagen. Danach beschäftigte er sich mit den Folgen der Krise, die unter anderem zu „Globalisierung ade, Protektionismus juche“ führen könnte. Er beschreibt die Finanzkrise als gigantische Vermögensvernichtung und einen gewaltigen Vertrauensverlust in das Bankensystem. Seiner Meinung nach kommt es mit Sicherheit zu einer stärkeren Regulierung der Märkte, zu Massenentlassungen und mittel- bis langfristig auch zu Steuererhöhungen. Für Deutschland wäre eine Deflation nach seinen Worten das „Horrorszenario“. Beim Blick in die Zukunft wagte Maurus natürlich keine eindeutige Prognose. Eins steht für Maurus jedoch fest, dass „das Finanzsystem wie auch die Globalisierung ihre Achillesferse“ haben. Für die anschließende Diskussion waren nach Worten des Moderators Nelius eigentlich 45 Minuten vorgesehen. Trotz lebhafter Beteiligung des Publikums schaffte man es, sich relativ gut im Zeitrahmen zu bewegen. Die Diskussionsteilnehmer aus dem Publikum ärgerten sich besonders über die Milliardenunterstützung des Staates für die Banken. Was Nelius folgendermaßen auf den Punkt brachte: „Beim Kleinen hat man kein Geld und wenn es an die Großen geht, dann soll der Staat wieder stützen“. Und für die Sparkassen, die sehr gut in dieser Krise abgeschnitten haben, bewahrheitet sich einmal mehr der Slogan „Small is beautiful again“. Stock räumte mit Blick auf den anwesenden Volksbankkollegen Saffenreuther ein, dass die Sparkassen trotz ihrer hervorragenden Verfassung, alles andere als glücklich über die Bankenkrise seien. Auf jeden Fall käme der Sicherheit von Anlagen eine sehr viel höhere Bedeutung zu. Aber dank einer soliden Eigenkapitalquote von 13 Prozent bereite die Kreditvergabe für sein Haus keine Schwierigkeiten. Obwohl wir uns, so Professor Weißkirchen, „in der tiefsten Krise der modernen Globalisierung befinden“. Bisher gibt es nach Weisskirchens Meinung noch keine überzeugende „systemische Antwort“ auf die Krise. Auch Schmid meint, dass der Staat in dieser Situation agieren müsse und ein handlungsfähiger Staat stelle sich einmal mehr als Trumpfkarte heraus.
Bildunterschrift: 1. Kompetente Experten der Diskussionsrunde: v. l. Schmid, Stock, Nelius, Maurus, Weiskirchen. 2. ebenso 3. Referenten und Gäste der Diskussionsrunde: v. l. Schmid, Stock, Nelius, Teichmann, Graner, Weisskirchen, Maurus.

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