Einführung in die Geschichte Indochinas packend dargestellt

Veröffentlicht am 22.01.2009 in Arbeitsgemeinschaften

MdL a.D. Gerd Teßmer referierte bei der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus

Neckar-Odenwald-Kreis. Den Auftakt zum Jahresprogramm 2009 der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus bildete dieses Jahr ein Informationsbericht des früheren Landtagsabgeordneten Gerd Teßmer über die bewegte Geschichte von Indochina.

Dazu konnten der 60-plus-Kreisvorsitzende Wilfried Nies und seine Stellvertreterin Hildgund Beichert wieder zahlreiche ältere SPD-Mitglieder im Gasthaus „Lamm“ begrüßen.
Der Vortragende betonte, er wolle nicht nur einen Reisebericht abgeben, sondern in die bewegte Geschichte Indochinas seit der französischen Kolonialzeit über die mörderische Zeit der Steinzeit-Kommunisten unter Pol Pot bis hin zur Wiedergewinnung des Friedens nach der Befreiung durch die Vietnamesen berichten. Teßmer gelang es, mit einer reichen Zahl an Bildern und einem umfangreichen Wissen in ein für die Zuhörer noch recht unbekanntes Gebiet einzuführen.

Gerd Teßmer begann mit einer geschichtlichen Einführung in die ehemalige Kolonialisierung dieser Staaten durch die Franzosen und zeigte in mehreren Bildern Baudenkmäler und Baustile aus dieser Zeit aus Laos, Vietnam und Kambodscha. Die Holländer auf den Inseln von Indonesien und die Franzosen in den Gebieten beidseitig des Roten Flusses und des Mekong sahen in der Kolonialisierung eine gute Möglichkeit, billig an Rohstoffe zu kommen und exotische Nutzpflanzen in eigenen Pflanzungen zu kultivieren. Zu nennen wären hier Kautschuk, Kaffee, Tee und Edelhölzer. Siam konnte dabei seine Freiheit erhalten und änderte seinen Namen in „Land der Freien (Thai), weil Frankreich und Groß Britannien keine gemeinsame Kolonialgrenze haben wollten. So entwickelten sich Hinterindien französisch orientiert, mit anderen Eisenbahnspuren und Rechtsfahren, und Indien eben britisch.
Der erste große Einschnitt kam 1940 mit dem Einmarsch der Japaner (1. Indochina-Krieg). Zunächst erhofften sich die Kolonialvölker von den asiatischen Japanern Hilfe und Befreiung, dies erwies sich als falsch. Die Japaner regierten noch grausamer als die Vorgänger. Wenig beeinflusst vom Krieg wurde Laos, das weiter französisch regiert und erst 1945 japanisch besetzt wurde. Nach der japanischen Niederlage ging vor allem von Vietnam unter der kommunistischen Partei mit ihrem Vorsitzenden Ho Chi Minh und seinem Militärstrategen Vo Nguyen Giap eine Unabhängigkeitsbewegung aus. Vietnam erklärte sich unabhängig, Laos und Kambodscha wollten folgen, wurden aber von der zurückgekehrten Kolonialmacht Frankreich gezwungen, ihre Unabhängigkeit im Rahmen einer „Union Francaise“ nur eingeschränkt zu bekommen. In allen drei Staaten entstanden kommunistisch geführte Unabhängigkeitsbewegungen, die gegen Frankreich kämpften. Aus Angst vor einem kommunistischen Indochina beteiligten sich die USA finanziell an diesem Krieg auf Seiten Frankreichs. Erst nach der verheerenden Niederlage der Franzosen im Mai 1954 in Dien Bien Phu ging die französische Kolonialherrschaft nach über einhundert Jahren zu Ende. Es entstanden die Königreiche Kambodscha und Laos und auf Grund der bestehenden Machtverhältnisse durch die Genfer Indochina-Konferenz ein kommunistisches Nordvietnam und ein westlich orientiertes Südvietnam.
Teßmer ging dann auf die US-Hilfe für das katholische Regime im Süden unter Ngo Dinh Diem ein und auf die entstehenden Widerstandsgruppen, die vom Norden Vietnams materiell über den durch Laos und Kambodscha verlaufenden Ho-Chi-Minh-Pfad versorgt wurden. Um diese Hilfe zu unterbinden, bombardierten die USA die östlichen Provinzen von Laos und Kambodscha und entlaubten die Wälder (Agent Orange). Mit US-Unterstützung wurde in Kambodscha der König Sihanuk gestürzt und mit Lon Nol eine pro-amerikanische Regierung eingesetzt, die sehr bald von Pol Pot abgelöst wurde. Da sich dieses mörderische Regime zunächst nicht gegen die USA wendete, ließ man es gewähren. Während der gesamten Ausrottungsperiode blieb Pol Pot und sein Regime von der UNO, den USA und der Bundesrepublik anerkannt. Erst nach Ende des Vietnamkriegs und der Befreiung von Kambodscha durch Vietnam 1979 kehrte nach bürgerkriegsähnlichen Kämpfen bis 1989 auch in Kambodscha wieder Ruhe ein.
Ende der 90er Jahre hielt auch in den drei Indochina-Staaten das Prinzip der Perestroika (hier „Doi Moi“ genannt) Einzug und die Wirtschaft konnte sich wieder entwickeln, nachdem auch die Kollektivierung der Landwirtschaft rückgängig gemacht wurde.
Positives Erbe der Franzosen in Vietnam ist die Einführung der lateinischen Buchstaben in Vietnam. Laos und Kambodscha behielten ihre „Regenwürmer-Schrift“.
Der Vortragende ging nun mit Bildern auf die moderne Entwicklung ein. So bilden neben den Opernhäuser in Hanoi und Ho-Chi-Minh-City (Saigon), den Hauptpostgebäuden und den Bahnhöfen in Hanoi, Saigon, Phnom Penh und der verbotenen Stadt in der ehemaligen Kaiserresidenz Hué Kolonialstil und vietnamesisch-chinesischer Stil ein gelungenes Ambiente.
Die Fotos zeigten neben den Kolonialbauten auch die Verkehrssituationen, fahren doch in Hanoi und Saigon jeweils weit über eine Million Mopeds, und zwar Tag und Nacht. Auf einigen Fotos wurden Mopeds als LKW-Ersatz gezeigt. Eingegangen wurde auch auf das Verhältnis zu den meist wohlhabenden, hier schon lange wohnenden Chinesen in den drei Ländern. Jetzt lebt man wieder friedlich neben einander, aber das war nicht immer so (Boat people)..
Im dritten Teil seines Vortrages ging der Referent auf die Beziehungen Deutschlands mit dieser Krisen-Region ein. In Vietnam gibt es heute erste „Joint-Ventures“ etwa von Mercedes-Benz und BMW, nichts dagegen in Laos und Kambodscha. Gerade Kambodscha erholt sich sehr langsam von der Ausrottung seiner gesamten Intelligenz und von wem über 100 Tonnen zurückgebliebenes Kriegsmaterial, Munition und Minen beseitigt werden sollen, ist auch ungewiss. Hier gibt es heute allerdings von Deutschland (Bundeswehr und GTZ) regionale Hilfsprojekte..
Während der Kriege unterstützte die DDR den Norden Vietnams, die Bundesrepublik stand materiell auf Seiten der USA, allerdings ohne Soldaten einzusetzen.
Gerd Teßmer betonte, dass er nicht perfekt informieren, sondern Denkanstöße geben wollte, damit Interesse und vielleicht auch Reiselust für diese etwas entfernt liegenden Ländern geweckt würde.
Mit dem Dank von Wilfried Nies an den Referenten und dem Hinweis, dass die AG 60plus Neckar-Odenwald am 4. Februar am Landes-Neujahrsempfang der SPD-60-plus Baden-Württemberg in Bad Cannstatt teilnehmen werde, schloss die Auftaktveranstaltung der SPD-Senioren ab.


Mit der Geschichte Indochinas begann die Jahresarbeit der SPD-AG 60plus Neckar-Odenwald. Vor der Karte Indochinas begrüßen die Vorsitzenden Wilfried Nies und Hildgund Beichert MdL a.D. Gerd Teßmer als
Referenten.


SPD'ler vor dem Königspalast des kambodschanischen Königs Norodom Sihamoni, Sohn von Norodom Sihanuk

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