Rege Diskussion zur Kreispolitik – Alt-MdL Gerd Teßmer zeigte Zukunftsziele auf
Neckargerach. (rt) Im Rahmen der regelmäßigen Stammtische hatte der SPD-Ortsverein Neckargerach jetzt den für Neckargerach zuständigen Kreisrat und langjährigen Landtagsabgeordneten Gerd Teßmer zu Gast.
Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Volker Drotleff überbrachte die Grüße von Bürgermeister Ralf Schnörr und vom Gemeinderatssprecher der SPD Helmut Fromm, die gleichzeitig eine Gemeinderatssitzung hatten, und hieß außer den Mitgliedern auch den Kreisrat Norbert Bienek (Waldbrunn) und den Neckarelzer SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Hans-Peter Senk willkommen. Wie schon bei den vorangegangenen SPD-Stammtischen machte zunächst der Referent seine Ausführungen, ehe zur Diskussion übergegangen wurde.
Kreisrat Gerd Teßmer sprach zum Thema „Kreispolitik geht uns alle an – Bericht über sozialdemokratische Ziele auf regionaler Ebene“. Teßmer beklagte zunächst, dass bedingt durch die Mehrheitsverhältnisse zugunsten der Union es allzu häufig vorkomme, das gute Initiativen der SPD im Kreistag und in den SPD-Ortsvereinen abgelehnt oder vertagt würden, später dann aber mit mehrjähriger Verzögerung doch kämen. Dadurch werde dem Neckar-Odenwald-Kreis so manche gute Möglichkeit aus parteitaktischen Gründen genommen oder verspätet eingeführt.
So habe man vor 8 Jahren eine SPD-Initiative auf Kreisebene zum Bau eines Biomasse-Kraftwerk abgelehnt, weil man allein auf die Atom-Energie setzte und keinerlei Alternativen auch nur andenken wollte. Für Teßmer war es dabei durchaus zulässig, dass Menschen das Risiko der Atomenergie für beherrschbar hielten und auf den scheinbar, aber eben nur kurzfristig billigeren Atomstrom setzten. In einer Demokratie müsse es dann aber auch erlaubt sein, dass Menschen diese Atom-Abhängigkeit in der Stromerzeugung als Gefahr ansehen und auf andere strahlungsfreie Energiequellen umstellen wollten. Wenn man hier Wortführer der CDU höre, höre man nur Profitdenken ohne jede Toleranz für andere heraus.
Hier habe sich in den letzten Jahren im Bereich der alternativen Energieträger wie Sonne, Wind und Wasser vieles weiterentwickelt wie auch bei der Stromgewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen aus regionaler Erzeugung und Rohstoffgewinnung. Inzwischen verkünde sogar der Landrat, dass man in den nächsten Jahren im Bereich des Stromverbrauchs für Haushaltungen im Neckar-Odenwald-Kreis autark werden könne und gehe dafür auch Wetten ein. Aus dem Antrag von vor 8 Jahren zum Bau eines Biomasse-Kraftwerks sei inzwischen Realität geworden und ab 2009 gebe es im Kreis Strom aus Obrigheim, erzeugt aus Biomasse. Vom ursprünglichen Ideengeber SPD spreche leider niemand mehr. Dass bei dieser Art der Stromerzeugung auch für die Maschinenringe und Landwirte eine zusätzliche Einnahmequelle entstanden sei, helfe der heimischen Landwirtschaft mehr als das Wehklagen über den abgeschalteten Atommeiler.
Ähnlich sei man auch bei der Verlagerung der Holztransporte auf die Schiene vorgegangen. Hierzu wurde allerdings ein Antrag der SPD-Kreistagsfraktion einstimmig angenommen, nachdem man daraus eine Idee aller Fraktionen im Kreistag gemacht habe. Gerd Teßmer konnte anhand des gelaufenen Schriftverkehrs aber nachweisen, dass die Besprechungen mit der Bahn sich zwar schwierig gestalteten, aber von den im Kreis Verantwortlichen so beharrlich geführt wurden, dass erst vor wenigen Wochen die Holzverladung am Bahnhof Neckarelz wieder eine Renaissance feiern konnte. Hierzu hatte man den ursprünglichen Antragsteller und Ideengeber allerdings nicht einmal eingeladen.
Kreisrat Teßmer sprach auch noch einmal den Ablehnungsbescheid von Wirtschaftsminister Schauffler (CDU) Mitte der 90er Jahre an,. Als damaliger Abgeordneter hatte Teßmer die S-Bahn bis Osterburken ver5langt, aber der Minister wollte nur bis Eberbach bauen.
Noch weitere Beispiele folgten, die deutlich machten, dass die Sozialdemokraten im Kreistag und im SPD-Kreisverband Neckar-Odenwald-Kreis in vielen modernen Techniken frühzeitig Impuls- und Ideengeber waren. Unanhängig von den bestehenden Mehrheiten habe man bewiesen, dass man zahlreiche Beiträge initiieren und voranbringen konnte, um den doch mehr ländlichen Neckar-Odenwald-Kreis gegenüber den Ballungsräumen entwicklungsmäßig nicht abhängen zu lassen. In den nächsten Jahren gehe es nun darum, die hohe Wohnqualität im Kreis fortzuschreiben und dabei die Familienförderung und die Bildungschancen den Erfordernissender Zeit anzupassen. Die frühzeitige Eintreten der SPD – gegen den Widerstand der CDU – für mehr Ganztagesangebote für Kinder aller Altersstufen sei inzwischen Allgemeingut geworden, betonte Kreisrat Norbert Bienek. Sogar die Landesregierung und die Mandatsträger der Union im Kreis unterstützten nun endlich Ganztagesangebote in Kindergärten und Schulen. Hier müsse jetzt darauf geachtet werden, dass soziale Unterschiede sich nicht negativ auf die Bildungs- und Zukunftschancen junger Menschen in unserer Region auswirkten. Notfalls müsse die Politik gegensteuern.
Wie schon bei den einzelnen vorgetragenen Punkten entwickelte sich unter der Regie vom SPD-Vorsitzenden Volker Drotleff noch eine längere rege Diskussion.

Über SPD-Initiativen und Anträge im Kreistag, aber auch über die zukünftigen Arbeitsschwerpunkte der SPD im Neckar-Odenwald-Kreis ging es Alt-MdL und Kreisrat Gerd Teßmer bei einer Abendveranstaltung in Neckargerach. Das Foto zeigt den Referenten mit Kreisrat Norbert Bienek, den SPD-Vorsitzenden Volker Drotleff und einen Teil der Zuhörer.
rt