Schülerbeförderung und Solarengagement auf dem Prüfstand
„Es gibt keine suchtfreie Gesellschaft“. Mit dieser klaren Äußerung begann der Leiter der Fachstelle Sucht Karl Pfeil die Vorstellung der Arbeit seines Teams bei einem Informationsgespräch mit der SPD-Kreistagsfraktion.
Alkoholkranke und –gefährdete sind, wie auch landesweit, der größte Personenkreis, der die Beratungsstelle aufsucht, gefolgt von Menschen mit Drogenproblemen oder bereits pathologisch gewordener Spielsucht. Pfeil ist sehr froh, dass der Vertrag zwischen dem Landkreis und dem BWLV für die nächsten fünf Jahre verlängert wurde. Denn dies gibt personelle Planungssicherheit um den Bedarf an ambulanter Beratung langfristig sicher zu stellen und konkret handlungsfähig zu bleiben. Der tatsächliche Bedarf, den eine süchtige Person benötigt und die Fallzahlen können wegen der Dunkelziffern nur annäherungsweise geschätzt werden. Die Antwort auf die Frage von Joachim Mellinger, wie denn die Suchtkranken zur Beratungsstelle finden, war deutlich: Niemand oder kaum jemand kommt freiwillig zur Suchtberatung. Erst wenn der Leidensdruck zu groß ist, ist dies Anstoß, sich Hilfe zu holen, z.B. wenn der Arbeitsplatz gefährdet, der Führerschein weg oder die Ehe in Gefahr ist. Neben der Beratung hat die Fachstelle Sucht die Aufgaben der ambulanten und der Vermittlung der stationären Behandlung, der Nachsorge und der Prävention. Auf die Frage von Georg Nelius, wie die Arbeit der Fachstelle unterstützt werden kann, antwortete Pfeil: „Wir wünschen uns einer stärkere Vernetzung und eine engere Zusammenarbeit in einem Netzwerk im Kreis, in das die Krankenhäuser, die Polizei, die Schulen und die Jugendhilfe und andere Institutionen eingebunden sind. Die Kreisräte Herbert Kilian und Karlheinz Graner wiesen in diesem Zusammenhang auf das Problem des Komatrinkens besonders unter Jugendlichen hin. Dabei waren sich alle Fraktionsmitglieder einig, dass gerade Kinder und Jugendliche da abgeholt werden müssen, wo sie stehen und nur durch Prävention durch bessere Information auch für Frauen und Mädchen eine Verhaltensänderung zu erreichen sei. Denn trotz der Verschlechterung der gesellschaftlichen Toleranz, z.B. beim Alkohol am Steuer oder am Arbeitsplatz ist dessen Pro-Kopf-Verbrauch gleich geblieben. Die insgesamt 4 ½ Stellen der Fachstelle sind deshalb das Minimum, was benötigt wird, um vor allem stärker vorsorgend aber auch nachsorgend tätig zu sein.
Die Fraktionsvorsitzende Heide Lochmann bedankte sich bei Herrn Pfeil und seinen Mitarbeitern für deren engagierte Arbeit und die umfassende Information. „Es ist wichtig, die Augen vor der Suchtproblematik nicht zu schließen, zumal immer Menschen und Schicksale dahinter stecken, die auch in Zeiten knapper Kassenlage nicht durch das soziale Netz fallen dürfen“. Daher ist der Sozialhilfebericht des Landkreises mehr als nur Pflichtlektüre. „Und“, so Lochmann, „es liegt in unserer Mitverantwortung, den Dienst- und Beratungsstellen ebenso wie den Hilfsbedürftigen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, zur Vernetzung der Angebote beizutragen und die Prävention wo immer möglich, zu stärken.“
In der anschließenden Fraktionssitzung gratulierte Lochmann der Fraktionskollegin Dr. Dorothee Schlegel zu deren Wahl zur Sportkreisvorsitzenden des Sportkreises Mosbach e.V. und freute sich, dass mit ihr eine sehr aktive und kompetente Ansprechpartnerin gefunden worden sei.
Die Jagdsteuer, deren Abschaffung die Kreis-SPD gefordert hatte, rückte ins Blickfeld aufgrund des Presseberichts der Kreisjäger, die freiwillige Unfallwildentsorgung zu reduzieren. Weitere Themen waren der Naturschutz und der Tourismus. Dazu sind aufgrund der geringer gewordenen Haushaltsmittel langfristige Konzepte zu erarbeiten.
Eine lange Diskussion zu den künftigen sich verändernden Schülerbeförderungskosten aufgrund der Einführung der Werkrealschule, in der Georg Nelius und Herbert Kilian auch aus Sicht als Lehrer Rede und Antwort standen, schloss sich an. „Unausgegorene Konzepte des Landes, die zu reduzierten Zuschüssen für die Schülerinnen und Schüler führen, erfordern“, so Nelius und Kilian, „eine klare Berechnung, was die Einführung der Werkrealschule tatsächlich kostet. Und es darf nicht zu Tabubrüchen zum Nachteil für die Schwächsten führen.“ Nelius unterstreicht hierbei die Aussagen des Städte-, des Gemeinde- und des Landkreistags, die aufgrund der bisherigen Modellrechnungen mit Mehrkosten in sechsstelliger Euro-Höhe auch für unseren Landkreis bei gleichzeitiger Einfrierung der Landesmittel rechnen. Ob sich die Einsparungen, die sich die Landesregierung von der Einführung des neuen Schultyps verspricht und die eine finanzielle Entlastung des Kreises und der Kommunen zur Folge haben könnten, tatsächlich ergeben, sind nicht nur generell offen, sondern auch in ihrer möglichen Höhe überhaupt nicht vorhersehbar.
Die von der SPD-Fraktion gestellte Anfrage an das Landratsamt, das Solarengagement des Kreises betreffend, wird in einer der nächsten Kreistagssitzungen vorgestellt. Mit dieser Anfrage soll die Motivation auch von politischer Seite gestärkt werden, die Umsetzung des im Jahr 2000 vom Bundestag verabschiedeten Erneuerbare-Energie-Gesetzes zu fördern, das im Neckar-Odenwald bereits dazu geführt hat, im Bereich der Privathaushalte energieautark zu sein. „Wir hoffen darauf, dass private, öffentliche und gewerbliche Zielgruppen die Impulse der letzten Jahre, vermehrt auf erneuerbare Energien zu setzen, dies auch weiterhin tun werden“, so Dr. Dorothee Schlegel, „denn dies dient der Wertschöpfung im Landkreis und letztendlich der CO2-Einsparung und der Klimaentlastung“.
Lochmann betonte abschließend, dass bei allen angesprochenen Themen die Finanzierbarkeit eine wichtige Rolle spiele und deshalb der politische Wille und das Setzen von Prioritäten letztendlich entscheidend dazu beitragen, ob Prävention, finanzielle Entlastung bzw. gerechte Umverteilung oder Motivation zur langfristigen Investition gelingen kann. Zur entsprechenden Entscheidungsfindung seien aber nicht nur die Gremien gefragt, sondern auch alle Bürgerinnen und Bürger.