Neckar-Odenwald-Kreis. (cka) Auf seiner ganztägigen Rundreise durch den Neckar-Odenwald-Kreis (die RNZ berichtete gestern) besuchte Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär Bundesumweltministerium, auch die Haßmersheimer Firma MOTIP-DUPLI, die stark auf das Thema Umwelt focussiert ist.
Geschäftsführer Silvio Keller stellte das Unternehmen vor, das weltweit als erstes in der Lackaerosolbranche auf seinem Betriebsgelände einen Öko-Lehrpfad installiert hat.
Ziel des Öko-Lehrpfades sei es, den heimischen Tierarten sowie der Pflanzenwelt einen Lebensraum zu schaffen. Die Ansiedlung gefährdeter Tierarten, wie z.B. dem Feuersalamander, dem Waldkauz, dem Turmfalken und Fledermäusen, war ein Schwerpunkt des Rundganges, welcher dem Staatsekretär die Umweltverbundenheit der MOTIP DUPLI GmbH aufzeigte.
Weiter ging die Reise nach Obrigheim in das gerade im Bau befindliche Biomassekraftwerk, das AWN-Geschäftsführer Dr. Mathias Ginter vorstellte. In Mosbach angekommen, trug sich Michael Müller in das Goldene Buch der Großen Kreisstadt ein.
Am Abend freute sich MdB Lothar Binding, “Betreuungsabgeordneter” des Neckar-Odenwald-Kreises, nicht schlecht, dass so viele Zuhörer der Einladung der SPD-Bundestagfraktion zu dem Vortrag seines Parteigenossen Michael Müller: “Klimaschutz und Energiepolitik - Wachstum und Motor für den ländlichen Raum”, in den klimatisierten Saal “Malzboden” in der Alten Mälzerei folgten. Im Neckar-Odenwald-Kreis gebe es nicht nur umweltpolitische Visonen, sondern auch breit angelegte Konzepte, welche Macher in die Tat umsetzten.
Oberbürgermeister Michael Jann sagte in seinem Grußwort, dass die Energiepolitik in den Kommunen angekommen sei. Umweltpolitik funktioniere am besten vor Ort mit innovativen Konzepten und dezentralen Strukturen. SPD-Ortsverbandsvorsitzender Jürgen Graner führte an, dass die Sozialdemokraten im NOK früh erkannt hätten, das mit erneuerbaren Energien und der Steigerung der Energieeffizienz nicht nur nachhaltig für den Klimaschutz ein Beitrag geleistet werden könne, sondern Arbeitsplätze gesichert und geschafft werden könnten.
Michael Müller, der als ausgewiesener Umweltexperte der SPD gilt, stieg in seinen enthusiastisch vorgetragenen programmatischem Referat mit zwei Kernthesen ein: Erstens wüssten wir schon seit langem über die knapper werdenden Rohstoff- und Energieressourcen Bescheid, hätten aber das Problem viel zu lange nicht ernst genommen. Zweitens stehe die Umweltpolitik, die früher eher als Randphänomen ihr Dasein fristete, heute im Mittelpunkt politischer Diskussionen und politischen Handelns.
Mit der Globalisierung sei das Ende der sozialen Marktwirtschaft eingeläutet worden. In früheren Zeiten seien billige Energie und Rohstoffe eine der Voraussetzungen für Entwicklung, Wachstum und Wohlstand gewesen. Das sei nicht mehr gegeben. Folglich sei es heute Aufgabe der Politik, Trends zu gestalten und frühzeitig Weichen zu stellen. Auf die tiefgreifenden Einschnitte müsste mit neuen Ideen reagiert werden. Aber der erforderliche Umbauprozess müsse sozialverträglich sein und dürfe nicht zu Lasten sozial schwächerer Schichten gehen.
Anhand drastischer Beispiele widmete sich Müller den Themenfeldern Klimawandel, knapper werdende Ressourcen, Schwellenländer und innovative Technologien. Neben der Erderwärmung, primär verursacht durch Kohlendioxid-Emissionen, mit ihren bereits prekären sichtbaren Folgen bereite ihm die weltwirtschaftliche Entwicklung ersthafte Sorgen. Man möge nur an die ausufernden Spekulationen mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen an den Börsen denken.
Nötig sei eine globale Stabilisierung der Energie-, Klima- und Umweltpolitik. Was kann getan werden? Man müsse zukünftig auf effiziente Technologien und erneuerbare Energien setzen. Durch dezentrale, vernetzte Strukturen der Energieversorgung könne hoher Energieeinsatz vermieden werden und ineffiziente Strukturen zurückgebaut werden. In der anschließenden lebhaft geführten Diskussion resümierte der Staatssekretär: In Zukunft gehe es in der Umwelt- und Energiepolitik nicht nur um die Sicherstellung der Energieversorgung aller Schichten der Bevölkerung, sondern auch um kreative, funktionierende Lösungen der Energieeinsparung.
