„Marie Juchacz – ein Leben für soziale Gerechtigkeit“ – Vortrag von Gerd Teßmer beim AWO-Ortsverein Obrigheim

Veröffentlicht am 26.06.2015 in Pressemitteilungen

Über ein gut gefülltes Haus konnte sich der Vorsitzende der AWO Obrigheim, Peter Maurus, beim Vortrag „Marie Juchacz – ein Leben für soziale Gerechtigkeit“ freuen, der im Rahmen der AWO-Aktionswoche erfolgte. 

Als kenntnisreicher Referent zum Leben der Gründerin der Arbeiterwohlfahrt konnte
hierfür der frühere Landtagsabgeordnete Gerd Teßmer gewonnen werden.
Teßmer berichtete in seinem Referat über die Auswirkungen der Hungersnot und der industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts. Die stetig wachsende Armut und
der Kampf ums Überleben gehörten zum Alltag breiter Teile der Bevölkerung. Die 1879 in Landsberg geborene Marie Juchacz, die als Fabrikarbeiterin, Krankenpflegerin
und Schneiderin die prekäre Situation der damaligen Zeit hautnah zu spüren bekam, wollte sich mit ihrem Engagement gegen die soziale Spaltung der
Gesellschaft wenden.
Nicht zuletzt die Stärkung der Rechte von Frauen war für Marie Juchacz ein Motiv 1908 in die SPD einzutreten, nachdem 1905 das Verbot der politischen Betätigung
von Frauen aufgehoben wurde. Das Talent von Juchacz blieb innerhalb der SPD mit ihrem Vorsitzenden und späteren Reichspräsidenten Friedrich Ebert nicht lange
verborgen. So stieg Marie Juchacz von der Frauenbeauftragten für die „Obere Rheinprovinz“ schnell zur Leiterin des Frauenreferates im gesamten Parteivorstand
auf. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges war Juchacz eine der wenigen Frauen in der Weimarer Nationalversammlung und im Reichstag. Geschichte schrieb Marie
Juchacz am 19. Februar 1919, indem sie als erste Frau in einem deutschen Parlament eine Rede hielt.
Um für die notleidende Bevölkerung nach dem ersten Weltkrieg konkrete Hilfe zu leisten, beschloss der SPD-Parteivorstand eine Hilfsorganisation zu gründen und
beauftragte damit Marie Juchacz. So kam es am 13. Dezember 1919 zur Geburtsstunde der Arbeiterwohlfahrt. Die AWO entwickelte sich in den folgenden
Jahren mit ihren Suppenküchen, Nähstuben und Bildungsangeboten zu einer wichtigen sozialen Stütze. Mit dem Verbot der AWO durch die Nazis im Jahr 1933
begann auch die Flucht der AWO-Vorsitzenden Marie Juchacz über Frankreich in die USA. In den USA gründete Juchacz sodann ebenfalls die Arbeiterwohlfahrt und
organisierte Hilfspakete ins zerstörte Deutschland sowie Hilfe für Opfer des 
Nationalsozialismus. Mit der Rückkehr von Marie Juchacz im Jahr 1949 wurde sie
zur Ehrenvorsitzenden der wiedergegründeten Arbeiterwohlfahrt ernannt bis sie im Alter von 77 Jahren verstarb.
„Wir können von Marie Juchacz heute noch lernen, dass man die Augen nicht verschließen darf, wenn andere in Not sind“, schloss Gerd Teßmer seinen Vortrag.
Im Laufe der weiteren Veranstaltungen der AWO-Obrigheim mit gemeinsamen Mittagessen und einem gemütlichen Ausklang erhielt die Ehrenvorsitzende der AWO
Obrigheim, Emmi Muser, sodann noch ein Präsent zum 75. Geburtstag und für ihren unermüdlichen Einsatz für die AWO.


v.l.n.r.: Gerd Teßmer, Emmi Muser, Peter Maurus

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