Forum der SPD Adelsheim, Jusos NOK und Jugendhaus Adelsheim
Adelsheim, 19.09.08 Bei einem weiteren Forum in der Diskussionsreihe des SPD Stadtverbandes konnte der Vorsitzende Ralph Gaukel die zahlreichen Besucher, auch im Namen der beiden Mitveranstalter, den Jusos NOK und dem JuZ Adelsheim, begrüßen.
In den Begrüßungsrede ging Ralph Gaukel, auf den Werdegang und die Aktivitäten des Referenten und Leiter der Adelsheimer Justizvollzugsanstalt, Dr. Joachim Walter ein.
Er erinnerte den Anfang des Jahres 2008. Er schilderte die Diskussion in dieser Zeit um die Gewalttat in der Münchner U-Bahn ein, als zwei ausländische Jugendliche einen Rentner niederschlugen und lebensgefährlich verletzen. Er beschrieb das Mediengewitter in den stattfindenden Wahlkampf in Hessen und Niedersachsen.
So gab es täglich neue Vorschläge der politischen Hardliner die sich in dern Maßnahmen gegenseitig übertrafen. Die Ausweisung der Täter wurde von der CSU gefordert, Roland Koch in Hessen forderte Erzie¬hungslager nach amerikanischem Vorbild und die Einführung der Strafmündigkeit ab 12 Jahren. Auch lebenslange Jugendhaftstrafen waren im Gespräch.
Dr. Joachim Walter, wurde damals zu diesem Themenkomplex von der Frankfurter Rundschau interviewt. Er referierte zu diesem Thema und zeigte die Anfänge und die heutige Situation der Jugendkriminalität in Deutschland an Schaubil¬dern auf. So ging er in seinem Referat auf die Entwicklung der Jugendkriminalität bis zur Mitte des 19-Jahrhunderts zurück. Schon damals wollten die Kinder nicht mehr auf ihre Eltern hören.
In der folgenden Analyse zahlreicher Statistiken, war zu erkennen, dass hier ein rückläufiger Trend zu erkennen sei. Dies sei gegenläufig zur individuellen Wahrnehmen der Bevölkerung. Dr. Walter erläuterte des mit Zahlen zu verschieden Deliktsparten.
Mit beeinflussend nannte er neu hinzugekommene Straftatbestände und das veränderte Anzeigeverhalten der Bürger.
Er nannte in diesem Zusammenhang auch die geforderte Meldepflicht der Schulen bei ihren Versicherungsträgern, die zeige, dass auch in den Schulen die Anzahl der Delikte rückläufig sei.
Dann ging er auf die Ursachen der teilweise erhöhten Gewaltbereitschaft der 14 bis 25-Jährigen ein. So seien sogenannte Ballerspiele und die Medien mit meiner täglichen Mordrate von ca. 170 Todesopfern im deutschen Fernsehen ebenso mitursächlich, wie fehlende Perspektiven durch mangelnde Schulbildung und die dadurch häufig bedingte Arbeitslosigkeit.
Manche Menschen sähen Jugendkriminalität als normal an, dies sei aber nicht so, denn nicht jeder straffällige Jugendliche von heute ist ein Verbrecher von Morgen.
Viele von Jugendlichen verübte Straftaten seien aus Unwissenheit, pubertären Übermut oder sonstiger Gedankenlosigkeit geschuldet.
Im weiteren Verlauf stellte Dr. Walter bildhaft dar, dass es sich in Deutschland im europäischen Vergleich sehr sicher leben ließe.
In England, Frankreich, Schweden oder Luxemburg sei es viel wahrscheinlicher auf der Straße ermordet zu werden.
Insgesamt stellte Dr. Walter dar, dass die Kriminalität bei Nichtdeutschen schneller als bei Deutschen rückläufig sei obwohl die Rückfallquote von straffällig gewordenen Jugendlichen in Baden Württemberg nach 4-5 Jahren bei 56 Prozent läge.
In einer weiteren Statistik belegte Dr. Walter seine These, dass sich haftmildernde Bedingung wie Schul- oder Berufsausbildung, sowie gelockerter Vollzug sich positiv auf die Rückfallhäufigkeit auswirke.
In der anschließenden Diskussion, die von den Jusos geleitet wurde, hinterfragten die interessierten Anwesenden einige der Thesen Dr. Walters.
Anschließend bedankte sich der Vorsitzende Ralph Gaukel beim Referenten für dessen ausführliches Referat, bei den Jusos für die Mitgestaltung des Abends und beim Jugendhaus für die Bewirtung.