Ausstellung im Ver.di Bildungszentrum auf dem Bergfeld erinnert an sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Widerstand während des Dritten Reichs
Ausstellung im Ver.di Bildungszentrum auf dem Bergfeld erinnert an sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Widerstand während des Dritten Reichs
(Aus der Rhein-Neckar-Zeitung Mosbach vom 6. Oktober 2012).
„Hier geht es nicht um Schuld, aber es ist unsere Pflicht an die Gräueltaten zu erinnern, damit nicht wieder so ein Rattenfänger unsere Demokratie kaputt macht“. Hanne Walz hatte deutliche Worte gefunden. Genau wie ihre Vorredner mahnte die Ver.di-Vorsitzende Heilbronn-Neckar-Franken eindringlich den Anfängen zu wehren, damit Rechtsradikalität, Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz keine Chancen bekämen. Friedliches und rechtzeitiges Dagegenhalten wie jüngst in Heidelberg gezeigt oder im vergangenen Jahr in Heilbronn praktiziert, als sich am 1. Mai Tausende dem „braunen Aufmarsch“ entgegengestellt hätten, seien eine Antwort, sagte Walz. Geschichte lebendig zu halten und einer nachwachsenden Generation zugänglich zu machen sei eine weitere, glaubte Bildungshausleiter Harald Kielmann, der genau darin einen Teil des Bildungsauftrags der Ver.di Bildungsstätte sieht.
Bis zum 26. Oktober 2012 zeigt das Gewerkschaftshaus auf dem Bergfeld die Wanderausstellung „Nein zu Hitler“, die Verfolgung, Widerstand und Exil von Sozialdemokratie und Freien Gewerkschaften in der Zeit von 1933 bis 1945 dokumentiert. Die Ausstellung wurde 2008 aus Anlass der 75-jährigen Wiederkehr der „Machtübertragung“ an die Nationalsozialisten vom Historischen Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung konzipiert und „verdient es angeschaut zu werden“, wie MdL Georg Nelius wünschte.
„Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“ zitierte er den SPD-Parteivorsitzenden Otto Wels, der am 23. März 1933 mit eben diesen Worten das Ermächtigungsgesetz Adolf Hitlers abgelehnt hatte. Die Ausstellung erinnere an die Entscheidung, die zu Katastrophe und Schande geführt habe und sei eine Verbeugung vor großen Frauen und Männern, die sich gegen den Nationalsozialismus gestellt hätten, würdigte Nelius. Aber nicht bloß „der Weg in die Tragödie“ (Nelius) zeichnet die Ausstellung aus. Es sind die darin verwobenen Lebenswege einzelner und meist nicht prominenter Personen, die für all die anderen stehen, „die nichts getan haben, als für ihre Meinung einzustehen “, wie der frühere Landtagsabgeordnete Gerd Teßmer anfügte. Teßmer, der für den Kooperationspartner KZ-Gedenkstätte Neckarelz grüßte, erinnerte an das Schicksal des Eisenbahners Hugo Brück (1897 - 1984), der als SPD- und Gewerkschaftsmitglied verfolgt und zu Zuchthaus verurteilt worden war. Getreu den Zielen der KZ-Gedenkstätte stelle sich die Ausstellung „Nein zu Hitler“ gegen Vergessen und Wegschauen und widerspreche der Meinung vieler, dass es doch gar nicht so schlimm gewesen sei. „Für viele war es furchtbar“, schloss Teßmer, weshalb die Erinnerungsarbeit auch weiterhin wichtig bleibe.
Zu Wachsamkeit riet auch Dr. Christiane Arbogast vom Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung, die am Donnerstagabend in den historischen Rückblick einführte, „der an die tiefste Zäsur in der Geschichte von deutscher Sozialdemokratie und Freien Gewerkschaften erinnert“. 40 Tafeln mit gut 250 Exponaten geben in drei großen Themenblöcken Einblicke in sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Widerstand. Nach frühzeitiger Warnung vor Auslieferung des Staates an Adolf Hitler sind dies: Zerschlagung von Sozialdemokratie und Freien Gewerkschaften, Formierung des Widerstands und Rolle des Exils bis Kriegsbeginn und Widerstand während des Krieges und Neubeginn nach dessen Ende. Ein erklärendes Begleitheft rundet die Erinnerungsarbeit ab.
Als durchgängiges Gestaltungskonzept haben die Ausstellungsmacher das „Herunterbrechen“ der Geschichte des Widerstands auf Einzelschicksale oder „kleine Helden“ (Teßmer) gewählt. Oft kommen diese aus der „zweiten Reihe“ und unterstreichen so die Komplexität der Widerstands- und Verfolgungssituationen wie auch die Bedeutung persönlich getroffener Entscheidungen.

Verfolgung und Haft folgten, nachdem sich die Berliner SPD-Reichstagsabgeordnete Clara Bohm-Schuch über die Misshandlung einer Parteikollegin beschwert hatte - Das mutige Handeln Einzelner steht im Mittelpunkt der Ausstellung, die Gerd Teßmer, Harald Kielmann, Dr. Christiane Arbogast, Georg Nelius und Hanne Walz (v.l.) eröffneten.
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