Artenreichtum im Kreis erhalten

Veröffentlicht am 30.07.2010 in Kreistagsfraktion

Um nicht in 10 Jahren rückblickend feststellen zu müssen, dass wir vor Ort versäumt haben, genügend für den Erhalt der Natur und den Artenschutz getan zu haben, stellten die Kreistagsfraktionen der SPD und von Bündnis 90/Die Grünen eine Anfrage zum Natur- und Artenschutz an den Landkreis.

Auf dem Hintergrund des neuen Natur- und Artenschutzgesetzes des Bundes und im Jahr der Biodiversität (Artenvielfalt) sei es wichtig, die darin formulierten Grundsätze vor Ort auch umzusetzen, begründete Heide Lochmann (SPD) die Anfrage. Eine im Jahr 2009 erfolgte Erhebung des Landwirtschaftsministeriums zum Bestand der Streuobstwiesen mit Hilfe von Laserscandaten ergab einen Rückgang um mehr als 2 Mio. Obstbäume im Land (ca. 15%) in den letzten 20 Jahren. Auch wenn die Daten nicht direkt vergleichbar sind, spricht die Gesamtentwicklung eine deutliche Sprache, nicht nur für die Streuobstwiesen, deren Bestand das Ministerium als „gefährdet“ einstuft. Je nach Region ist ein kleinräumiger Rückgang um 30 – 80% mit Hilfe der Auswertung von älteren Luftbildern festzustellen. Die Analyse des Ist-Bestands der Lebensräume einer außerordentlichen Vielfalt von Lebewesen zu schützen, ist der erste Schritt, aber darf nicht der einzige bleiben. Christine Denz (Bündnis 90/Die Grünen) ergänzte: „Um langfristig Naturräume und Biotope zu erhalten, die gleichzeitig einen großen Erholungswert haben, ist es notwendig, das Bewusstsein hierfür vor Ort mit den unterschiedlichen Interessensgruppen zu kommunizieren und machbare und nachhaltige Lösungen zu erarbeiten“.
In alle von wirtschaftlichen Gesichtspunkten geprägten Planungs- und Abwägungsprozesse müssten, so Karlheinz Graner (SPD), von vornherein Vertreter der Naturschutzes einbezogen werden - aber auch die der Landwirte und der Kommunen, ergänzte Walter Neff (SPD).
In Ökosystemen wie den Streuobstwiesen leben 5000 verschiedene Tierarten. Damit sind sie ein Reservoir genetischer Vielfalt. Auch die Grünland-Bewirtschaftung dient dem Erhalt wertvoller Kulturlandschaften. „Nicht alles muss ausschließlich nach profitabeln Gesichtspunkten geschehen“, so Simone Heitz (Bündnis 90/Die Grünen), die seit 25 Jahren auch ehrenamtliche Naturschutzwartin ist. Denn in einem Ökosystem müssen auch Gras und Wildkräuter erhalten bleiben, von denen eine Vielzahl von Vögeln, Insekten und kleinen Säugetieren leben und die auch für die Menschen nützlich sind. Allerhöchste Zeit sei es für die seit Längerem aus dem Gleichgewicht gekommene Balance zwischen Landwirtschaft, Natur- und Artenschutz (so Staatssekretärin Gurr-Hirsch in einem Artikel vom 09.07.2010 in der RNZ), auch durch die vermehrte Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten und den Straßenbau. „Wir wünschen uns“, so Georg Nelius (SPD), „dass die Impulse zur Revitalisierung der Biotope und Ökosysteme, die der damalige Landwirtschaftsminister Peter Hauk angekündigt hat, im Neckar-Odenwald-Kreis nicht nur auf Hochglanz gedruckte Worte bleiben, sondern zu Taten werden, zusammen mit den Menschen von hier, denen es um ihre Heimat geht. Stellen wir unsere Landschaft unter Schutz.“ Wenn die Gesetzgeber mit konkreten Vorschlägen und der Unterschutzstellung nur langsam agiert, dann ist es die Aufgabe der Menschen vor Ort, das Bestmögliche für einen lebens- und liebenswerten Neckar-Odenwald-Kreis zu tun. Die Anfrage ist ein wichtiger Schritt, deren Beantwortung weiterführende Überlegungen und Tagungen, wie z.B. öffentliche Diskussionen und Workshops in die Wege leiten sollen. „Möge dieser „frühe Vogel“,“ wie die Anfrage gemeint sei, „die Würmer und Insekten fangen, die er zum Überleben nötig hat“ stellte Dr. Dorothee Schlegel zum Schluss der Beratung fest.

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