„Nachhilfeunterricht“ für Landespolitiker

Veröffentlicht am 11.07.2008 in Kreisverband

Bei Claus Schmiedel darf man von einem offenen Ohr für die Sorgen und Nöte der Berufsschulen ausgehen. Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion war bis 1992 selbst Lehrer an einem solchen Institut in Stuttgart. Nun gehört er dem Stuttgarter Landtag an.

Das eint ihn mit Georg Nelius ebenso wie die berufliche Laufbahn. Die beiden verbindet jedoch mehr, und das wurde offenbar bei einem Besuch Schmiedels im Schulzentrum des Neckar-Odenwald-Kreises in Mosbach, vielen besser bekannt als Gewerbeschule und Augusta-Bender-Schule.

Eingefädelt hatte den Besuch Georg Nelius, dem dabei SPD-Kreisvorsitzender Jürgen Graner, dessen Stellvertreter Gabriele Teichmann und Helmut Sperling sowie SPD-Kreisvorstandsmitglied Julian Stipp zur Seite standen. Und weil es in diesen Schulen ja um die berufliche Bildung geht, nahmen auch Theo Häfner (Kreishandwerksmeister) und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Manfred Banschbach, teil.

Den Auszubildenden auf die Finger zu schauen und von den Lehrenden Fingerzeige zu bekommen, wo der Schuh drückt, so könnte man den zweistündigen Besuch Schmiedels in der Schillerstraße umschreiben. Die Leiter der beiden Schulen, Birgit Bader und Armin Muff, begleitet von einer Reihe von Fachabteilungsleitern und Fachlehrern, vor allem aber die Schüler selbst, gaben den Besuchern einen Eindruck von dem, was hier gelernt und getan wird. Die Abteilung für Farb- und Fahrzeugtechnik, die zweijährige Berufsfachschule für Ernährung und Hauswirtschaft sowie das Berufsfeld Mechatronik wurden beispielhaft präsentiert. Und schon beim Rundgang wurde so mancher Wunsch an den Politiker aus Stuttgart geäußert.

Dazu ergab sich in der anschließenden Diskussionsrunde noch mehr Gelegenheit. Geeigneter Ort dafür: die schöne Cafeteria des Schulkomplexes. Schmiedel stieg in die Diskussion ein, indem er die drei Elemente einer von der SPD gewollte Bildungspolitik aufzählte: gleich gute Bedingung für alle vor dem Eintritt in die Schule, längeres, gemeinsames Lernen, bessere Übergänge von der Schule ins Berufsleben. Mit dem letzten Punkt traf er natürlich den Nerv der Situation vor Ort.

Denn Theo Häfner, der in seinem Betrieb über das von ihm selbst benötigte Maß hinaus ausbildet, findet, dass viele Hauptschüler schlichtweg nicht ausbildungsfähig seien. „Daran sind aber nicht allein die Eltern schuld“. Und so forderte er von der Landespolitik Zuschüsse für die Ausbildungsbetriebe.

Die hätten auch die Schulen als berufsbegleitende Einrichtungen gern, und zwar für gezielte Einsätze. „Besonders notwendig wäre gezielte Hilfe im Berufseinstiegs- und Berufsvorbereitungsjahr“, sagte Studiendirektor Muff, der darunter versteht, dass mit zeitweilig zwei Lehrern in der Klasse Problemfelder besser beackert werden könnten. In diesen Schulzweigen – kurz BEJ und BVJ genannt – seien, das hat auch Claus Schmiedel erkannt, die Defizite am größten. „Da sind viele Altbewerber, schlecht vermittelbare Jugendliche in der Warteschleife“. Sie gelte es, (in den Schulen) besser auf die Arbeitswelt vorzubereiten.

Dabei möchte der Oppositionsführer im Landtag Schule und Elternhaus zusammenbringen und schlussfolgerte: „Je näher und kleiner die Einheit ist, um so besser“. Auch für mehr kommunale Verantwortung sprach sich Schmiedel aus. Das kam im Neckar-Odenwald-Kreis gut an, setzt man sich doch nicht erst seit gestern für den Erhalt, möglichst die Stärkung der örtlichen Bildungseinrichtungen ein. Georg Nelius: „Es ist ein ständiger Kampf im Metropolverband“. Der Landtagsabgeordnete Nelius ist nicht der Einzige, der es für Heidelberger Lehrlinge zumutbar findet, dass diese teilweise in Mosbach zur Schule gehen könnten.

Nach einer „intensiven Schulstunde“ ging man im Konsens darüber auseinander, dass die beste Schule die ist, die vor Ort und in kommunaler Einbindung ist, die mit genug und gut qualifizierten Lehrkräften unterrichtet und somit Menschen gut vorbereitet ins Arbeitsleben entlässt. Hitzefrei bekam die SPD-Delegation jedoch nicht, denn Schmiedels Neckar-Odenwald-Tour führte noch zur Besichtigung der Firma Braun nach Walldürn und zur Kreismitgliederversammlung nach Merchingen.

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